Als ich die Zusage für mein Sozialpraktikum bekommen habe, wusste ich schon, dass es eine spannende Woche werden würde. Meinen Platz für die 5 Tage hatte ich bei der Foundation Barry du Grand-St-Bernard im französischen sprechenden Teil der Schweiz bekommen. Diese Einrichtung unterstützt in einer Form der tiergestützten Pädagogik verschiedene soziale Einrichtungen in der ganzen Schweiz. Mit etwa 30 Bernhardinern machen sie Besuche in Krankenhäusern, Altenheimen, Hospizen, usw.

Da die Einrichtung ihren Sitz in Martigny hat, in der Nähe des Großen St-Bernhard Passes, und dies 7h Zugfahrt von Eislingen entfernt liegt habe ich bei einer Bekannten gewohnt, Claudia Müller, die Leiterin der Sozialeinsätze, welche mich auch die ganze Woche auf die Einsätze mitgenommen hat.

Gleich der erste Tag war eine große Herausforderung, da kein Einsatz anstand und ich in der Aufzuchtstätte und im Museum mithelfen sollte. Die meisten Tierpfleger konnten jedoch kein Wort Deutsch, weshalb ich mich auf mein, etwas stockendes, Schulfranzösisch verlassen musste. Zum Glück waren alle sehr nett und geduldig mit mir. Ich durfte mich um die vielen Hunde kümmern und bin mehrere Male mit ihnen laufen gegangen. Auch Bürsten und Boxen putzen stand auf dem Plan. Ebenfalls interessant war das Trainieren von Befehlen, bei dem ich mitgemacht habe. Die vielen Hunde haben mich gemocht und ich sie ebenfalls, deshalb war ich sehr schnell mit meinem Praktikumsplatz zufrieden.

Am Dienstag war ich zum ersten Mal bei einem Sozialeinsatz dabei, in einem französischen Hospiz etwa eine Stunde Autofahrt entfernt. Dort haben wir eine alte Dame besucht, die Autismus hatte und ziemlich schwach auf den Beinen war. Doch wenn man einen Hund führen kann, vergisst man wie unsicher der Stand ist und laut dem Pfleger, ist sie noch nie so weit gelaufen wie an diesem Tag. Zum Glück sind Bernhardiner sehr geduldig und laufen langsam und gleichmäßig. Aus diesem Grund werden sie auch als sogenannte „Seelenheiler“ verwendet.

Die Aktivitäten die wir mit ihr gemacht haben waren sehr leichte Spiele, doch trotzdem sehr anspruchsvoll für sie. Sogar das Werfen eines Balls oder nur das Streicheln von „Halix“, der Bernhardinerhündin war unglaublich schwer. Für mich war es erschreckend zu sehen, wie schlecht sie sich bewegen konnte, doch es war wirklich rührend, wie sehr sie sich über diesen Extrabesuch gefreut hat. Natürlich mussten wir auch noch mit den Hunden spazieren gehen, damit sie während des Einsatzes ruhig bleiben. Mithelfen durfte ich an diesem Tag, indem ich die Frau beim Laufen und bei den Spielen unterstützt habe.

Am darauffolgenden Tag waren es gleich zwei Einsätze. Einer in einem Krankenhaus und einer in einem Lager für psychisch stark beeinträchtigte Personen. Dort war es wieder beeindruckend zu sehen, wie solche kleinen Spiele mit dem Hund so eine große Freude machen konnten. Vor allem die psychisch Kranken hatten viel Freude mit dem treuen Hund, der ihnen vorbehaltlos vertraut hat, anders wie viele Menschen. Auch hier sind wir nach den Spielen mit allen spazieren gegangen, wobei es meine Aufgabe war auf die Hunde zu achten und nicht auf die Menschen.

Doch am meisten geprägt hat mich in meinem Sozialpraktikum die Erfahrung am Donnerstag. Dort haben wir querschnittgelähmte Personen im Schweizer Paraplegikerzentrum in Notwill besucht. Dorthin ist man zwar 4 Stunden gefahren, doch die Freude der Menschen war es wert. Es hat mich wirklich geschockt, diese Hunderte von Menschen zu sehen, die nicht mehr laufen konnten, sich manchmal nicht mal mehr richtig bewegen konnten. Viele davon waren eher jung und manche noch nicht mal erwachsen und trotzdem schon an einen Rollstuhl gefesselt. Eigentlich hatte ich riesengroßes Mitleid mit den Menschen dort, für die es schon einen Riesenfortschritt war, sich im Rollstuhl sitzend ein Stück nach unten zu beugen um den liegenden Hund zu streicheln, doch diese Menschen waren in dieser Stunde einfach nur glücklich und es wäre sehr unpassend gewesen sich nicht zusammenzureißen und zu lächeln. Ich habe jetzt einen wirklich großen Respekt vor den Menschen, die in einem sozialen Beruf arbeiten und tagtäglich solchen Menschen helfen. Ich bin der Meinung, dass so ein Beruf einen sozialen Tribut von einem fordert, den man nicht kleinreden sollte.

An meinem letzten Tag hat wieder ein Lager mit psychisch Erkrankten stattgefunden, zum Glück im deutschsprachigen Teil der Schweiz. Am schönsten war der halbe Meter Schnee der dort lag, wodurch dass alltäglich Auslaufen mit den Hunden um einiges schöner wurde wie der Regen während der restlichen Woche. An diesem Tag durfte ich einige Spiele sogar selbst anleiten.

Im Nachhinein denke ich, dass dieses Sozialpraktikum eine einmalige Erfahrung für mich war, die mich vieles gelehrt hat. Besonders toll war natürlich, dass ich mit so vielen unterschiedlichen sozialen Einrichtungen Kontakt hatte und mit vielen unterschiedlich beeinträchtigten Menschen, die jedoch alle sehr glücklich über die Besuche waren. Und dieses Gefühl, jemanden so glücklich zu machen, einfach nur durch so einen kurzen Besuch und ein paar Spiele, das war wirklich atemberaubend.

Bericht: Anouk Fischer, 9b

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