„Jungfrau ohne Paradies“ - Präventionstheater gegen Extremismus

Da steht Paul, das One-Way-Flugticket nach Syrien in der Hand, und verkündet, dass er nun Ernst macht mit seinem Einsatz für seinen „heiligen Krieg“. Seine Freunde Cem und Johanna sind fassungslos. Was können sie tun? Und wie konnte es so weit kommen?

Das interaktive Theaterstück, das im Rahmen der Eislinger Präventionswoche „Go“ zum Thema „Demokratie & Vielfalt“ gespielt wurde, forderte heraus. Wie würde ich mich verhalten? Auch die Schüler der 9. Klassen der Eislinger Schulen waren sich nicht sicher, wie sie reagieren würden. Es ging nicht nur um religiösen Extremismus. Spätestens bei der Nachbereitung in Workshops wurde die Frage bedrängender: „Was mache ich, wenn ein Freund abdriftet in religiöse oder politische Extreme, in zweifelhafte Beziehungen oder Sucht?“ Veranstaltet wurde die Aktion vom „Demokratiezentrum Baden-Württemberg“. Die Initiative will Schüler sensibel machen gegen extremistische Entwicklungen mitten in unserer Gesellschaft. Denn das „Paradies“, das Heilsversprechen der Gruppierungen, die Jugendliche für sich gewinnen wollen, klingt reizvoll. Auch Paul lässt sich in dem Theaterstück „Jungfrau ohne Paradies“ davon verlocken. Er möchte alles hinter sich lassen, seinen Frust über seine soziale Situation, seine geplatzten Träume vom Durchbruch als Rapper, seine Misserfolge in der Schule. Er will wenigstens irgendwo Beachtung finden, sich wichtig fühlen. Da klingt der „heilige Krieg“ wie eine Erlösung. Sein Freund Cem kann das nicht nachvollziehen, er hat doch dieselben Probleme, aber er hat eine andere Antwort: Er lässt sich nicht unterkriegen und setzt selbstbewusst alles auf die Karte „Erfolg“. Johanna, die ich strotz der Widerstände ihrer Umgebung immer zu ihrem Freund Paul bekannt hat, ist verzweifelt. Ihre Geschichte der „Jungfrau von Orleans“, die sie in der Theater-AG spielt, hat sie sich anders vorgestellt. Am Ende können die beiden selbst mit der Hilfe der Schüler im Publikum Paul nicht daran hindern, in eine ungewisse Zukunft zu gehen. Glücklich wirkt er dabei aber nicht. Auch wenn das Thema der religiösen Radikalisierung vielen Eislinger Schülern fremd erscheint, die Gefühle der drei Akteure, dargestellt von jungen Schauspielern, kennen alle. Und so wird ihnen klar: Extremismus ist keine Lösung, weder für sie selbst noch für ihre Umgebung. Da macht es mehr Sinn, auf konstruktive Lebensziele setzen.

Bericht & Foto: ekg

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