Besuch einer erfolgreichen Autorin am EKG

„Wie hättet ihr reagiert?“ Bei der Autorenlesung am Erich Kästner Gymnasium in Eislingen stellte Stefanie Höfler nicht nur ihr Jugendbuch „Tanz der Tiefseequalle“ vor, das für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde. Sie verwickelte die Schüler auch in eine intensive Diskussion. Denn die Klassen 7a und 7c des EKG kennen ihr Buch gut und wollten die Hintergründe ganz genau wissen. Isabel Gunzenhauser, die Leiterin der Stadtbücherei, hatte die Lesung im Rahmen der Eislinger Kulturtage des Kulturamts organisiert. Den Kontakt zu der Autorin vermittelte die Deutschlehrerin Constanze Schöttle, die mit Stefanie Höfler, die aus dem Schwarzwald angereist war, befreundet ist.

Wie kommt die Autorin auf ihre Geschichten? „Darf man über das Dicksein ein Buch schreiben?“, habe sie sich gefragt und dann beschlossen, die Situation des Andersseins „knallhart zu beschreiben“. In dem Jugendbuch „Tanz der Tiefseequalle“ erlebt Niko, der aufgrund seiner Körperfülle nicht dem Schönheitsideal entspricht, massive Ausgrenzung und Mobbing durch seine Mitschüler. Marco hingegen, der immer wieder fies und übergriffig handelt, wird als Star gefeiert. Wie aber verhalten sich die Mitschüler? Und wie erlebt Sera die Situation, als sie selbst in den Strudel der Angriffe gerät und Freundschaft mit Niko schließt? Stefanie Höfler hat die Geschichte im Wechsel aus der Perspektive von Niko und von Sera geschrieben. Das wurde auch bei der Lesung deutlich, denn die Autorin wählte für jede Person einen anderen Stuhl als Ausgangsposition. Als Theaterpädagogin schlüpfte sie in die jeweilige Rolle und ließ sie lebendig werden. Damit zog sie die Schüler in den Bann und mitten hinein in die Diskussion: „Passt das so für Euch? Mit wem identifiziert ihr euch?“ So wurden Eindrücke über die Personen des Buches ausgetauscht, es wurde aber auch um Details der Geschichte gerungen. Warum ist es cooler, dass Niko nicht zuschlägt und sich nicht mit Gewalt gegen das Mobbing wehrt, obwohl er das könnte? Und warum greifen die Lehrer nicht stärker ein? „Ich fand es gut, dass es kein Happy end gibt und dass das Buch realistisch ist“, meinte Isabella, während Lasse sich gewünscht hätte, dass die Mobbing-Täter mehr Ärger bekommen. Sie wollte eine authentische Geschichte schreiben, meinte Höfler, Mobbing finde meist im Verborgenen statt. „Die Veränderungen müssen von den Jugendlichen, also aus der Gruppe kommen und nicht nur von außen.“ Für sie sei das Ende nicht offen, sondern positiv, „weil Sera über ihren Schatten springt, weil sie und Niko selbstbewusster werden und zu ihrer Freundschaft stehen“. Deshalb werde es auch keine Fortsetzung des Buches geben. „Die müsst ihr für euch selbst schreiben!“

Und wie entsteht ein Buch? „Ich schreibe nicht systematisch, nicht nach einem Plot-Plan. Ich lasse mich von der Geschichte treiben“, erklärte Höfler den Schülern. Schriftsteller würden ihre Geschichte nicht logisch erarbeiten, sondern sie selbst erleben. „Die Figur entsteht in meinem Kopf und ich erzähle dann von ihr.“ Ein Jahr lang arbeite sie an einem Buch, jede Stelle werde mindestens fünfzigmal durchgearbeitet. Den Titel „Tanz der Tiefseequalle“ habe sie sich selbst gewünscht. Die Autorin zeigte die verschiedenen Entwürfe der Coverzeichnung und diskutierte mit den Schülern über die jeweilige Bedeutung und Wirkung. „Am Ende geht es beim Cover um eiskaltes Marketing!“

Wie wird man Schriftsteller? Sie habe schon als Kind mit erfundenen Geschichten ihre Eltern angelogen, berichtete Höfler. „Es macht Spaß, Geschichten zu erzählen, weil es das Leben spannender macht.“ Geschrieben habe sie zunächst nur heimlich, weil es nicht cool gewesen sei, bis sie durch einen Wettbewerbsbeitrag von ihrem Verlag entdeckt wurde.

Die Schüler waren auch fasziniert von Höfles Stil: „Wie kommt man auf so lustige Vergleiche?“ fragte Isabella. Sie sammle Bilder im Kopf wie andere Menschen Briefmarken, meinte die Autorin. „Ich bin ein Sinnenmensch.“ Auch am EKG habe sie eine magische Ecke entdeckt. „Wer weiß, vielleicht taucht diese Schule ja in einem neuen Roman auf“, sinnierte die Autorin, bevor sie die Bücher der Schüler signierte und zu einer zweiten Lesung bei der 7. Klasse an der Silcherschule aufbrach.

Fotos & Bericht: D. Weber/ekg

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