Fachtag LRS in Stuttgart: Lesen ist wichtiger als Schreiben

Am Montag, den 21.09.2019 fand in Stuttgart der Fachtag „LRS“ mit Frau Dr. Petra Küspert, Dozentin an der Universität Würzburg statt, an dem die Beratungslehrerin Frau Katharina Dorsch teilnahm.

„Von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) sprechen wir, wenn ein Kind das Lesen oder Schreiben in der dafür vorgesehenen Zeit nicht oder nur sehr unzureichend erlernt hat.“ (https://rp.baden-wuerttemberg.de/)

Dabei müssen LRS und Intelligenz nicht miteinander in Beziehung stehen. Auch ein überdurchschnittlich begabtes Kind kann LRS haben. Schwierig hierbei ist, dass es durch die fehlende Lesefähigkeit sein Potential nicht ausschöpfen kann, da es doch oftmals die gestellten Fragen schon gar nicht richtig lesen und somit auch nicht verstehen kann. Die Entwicklung der Lesefertigkeit lässt sich schon ab Mitte der 2. Klasse testen: Als Richtwert gilt hierbei, dass das Kind durchschnittlich ca. 50 Wörter pro Minute soweit fehlerfrei lesen können sollte – in der 4. Klasse ca. 100 und bis zur 8. Klasse dann ca. 150 Wörter– bei einem Erwachsenen sollte die Leserfertigkeit bei 220-250 Wörtern pro Minute liegen (siehe Entwicklung der Lesegeschwindigkeit nach Klicpera 2006). Oftmals wird die Lese- und Rechtschreibschwäche erst auf der weiterführenden Schule bemerkt – dies geschieht deshalb erst so spät, da viele Kinder ihre Schwäche durch Begabung, gutes Verständnis, Sprachgewandtheit, einen guten Wortschatz oder auch Auswendiglernen (schließlich werden in der Grundschule viele Texte oft wiederholt) ausgleichen oder auch überspielen können. So fallen diese Kinder nicht auf. Auf dem Gymnasium kommen dann neue schwierige Fragestellungen hinzu, bei denen man genau lesen können muss, um sie korrekt beantworten zu können, und auch eine schnelle Lesekompetenz muss vorhanden sein, um die gestellten Fragen in der vorgegebenen Zeit lösen zu können. Und wenn Kinder in ihrer Erstsprache schon Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben haben, dann wird es in der Zweit- oder sogar Drittsprache erst recht schwer…Der Tipp „lies Bücher“ bringt dann natürlich nur etwas, wenn ein phonologisches Bewusstsein vorhanden ist: Kann das Kind jeden Buchstaben fehlerfrei hören, verstehen und aufschreiben und erkennt es daraus auch Silben bzw. Wortlisten? Gutes, genaues und v.a. auch lautes (!) Lesen ist zunächst einmal wichtiger als schreiben – denn nur so kann man zunächst erkennen, ob das eigene Kind Schwierigkeiten hat. Und dann heißt es üben, üben und nochmal üben – jeden Tag am besten 10 Minuten, denn „lesen und schreiben lernt man nur durch Lesen und Schreiben!“ (Dr. Petra Küspert) Und wer genau lesen kann, versteht meist mehr – und wer mehr versteht, kommt in den Fächern besser mit…und wenn man im Unterricht gut mitkommt, dann macht Schule meist sogar Spaß!

Wann haben Sie sich das letzte Mal von Ihrem Kind etwas vorlesen lassen?

Text: K. Dorsch/ekg

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