„Nix g`schwätzt isch g´lobt g´nug“ – oder eben doch nicht?

Der Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium stellt nicht nur für Kinder eine große Herausforderung dar – auch deren Eltern sind nun mit einer ganz neuen Schulform konfrontiert, in der plötzlich viele neue Lehrer mit unterschiedlichen (neuen) Fächern und unterschiedlichen Erwartungen auftauchen. Dazu kommen neue organisatorische und mediale Herausforderungen wie plötzliche Stundenplanveränderungen und Moodle – der Lern- und Informationsplattform am EKG. Dies kann auch Eltern in Verunsicherung stürzen und Fragen aufkommen lassen: Ist die Schule das Richtige für mein Kind? Wie viel soll und darf ich unterstützen, damit mein Kind gute Noten erreicht?

Um auch den Eltern den Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium etwas zu erleichtern, fand am 14.11.2018 der zweite Abend der Elternbildungsreihe „Mit Rückenwind ins neue Schuljahr – wie Eltern ihre Kinder unterstützen können“ statt. Dazu hatte das Unterstützungsteam des EKG, Schulsozialarbeiterin Ingrid Hinzel-Hees und Beratungslehrerin Katharina Dorsch, zwei Referenten eingeladen: Dipl.-Psychologin Felicitas Lorenz und Dipl.-Psychologe Matthias Radant von der Schulpsychologischen Beratungsstelle in Göppingen.

Vierundzwanzig 5er Eltern kamen, um sich Informationen und Tipps zur Unterstützung ihrer Kinder zu holen. Dabei kann Unterstützung unterschiedlich aussehen: Nicht nur Lob und Anerkennung, sondern auch angemessene, positive Erwartungen, Hilfe zur Selbsthilfe und emotionale Unterstützung gehören laut Herrn Radant dazu. So sei es meist erst einmal wichtig, dass sich auch Eltern über ihre eigenen Erwartungen bezüglich ihres Kindes klar werden, da diese sowohl die eigenen Gefühle als auch das eigene Verhalten beeinflussen. Und dies wiederum übertrage sich dann auf das Verhalten des Kindes. Ganz leicht könne nämlich ein Teufelskreis z.B. durch zu hohe unrealistische Erwartungen der Eltern entstehen. Dabei habe das Kind dann Angst und Sorge, den Erwartungen der Eltern nicht gerecht zu werden, was oftmals zu schlechten Schulleistungen führe. Die Eltern sehen dann eine Gefahr, die sie durch ein hohes Maß an Engagement und kontrollierendem Verhalten versuchen zu dämmen – dies habe meist jedoch eher zur Folge, dass das Kind eine schlechte Note als etwas sehr Schlimmes begreift, da die Eltern ja ihr Verhalten geändert haben. Somit wachse der Druck auf das Kind und es erfahre negative Emotionen und zusätzliche Leistungsangst bei schulischen Anforderungen, die dann meist zu noch schlechteren Leistungen führten. Der Teufelskreis ist geschlossen. Denn je mehr Aufmerksamkeit auf negatives Verhalten gelegt werde, desto mehr diene diese Aufmerksamkeit als Verstärkung, was die Wahrscheinlichkeit, dass dieses negative Verhalten gezeigt werde, erhöht.

Um eine angemessene Erwartungshaltung zu entwickeln, könnten sich Eltern z.B. Fragen stellen, wie die, was ihr Kind denn in 10 oder 20 Jahren können soll…ist dies z.B. eine gute Parabelberechnung in Mathe, d.h. eine besondere (schulische) Leistung, oder stehen vielleicht eher andere (soziale) Fähigkeiten im Vordergrund? Was möchte ich als Elternteil meinem Kind mit auf den Weg geben?

Das beste Mittel, um eine Verhaltensänderung herbeizuführen, sei die Beachtung der positiven Ausnahmen, und seien diese noch so klein (z.B., wenn das Kind plötzlich drei Minuten länger an den Hausaufgaben sitzt, ohne zu meckern). Der allseits bekannte Satz im Schwabenland „Nix g´schwätzt isch g´lobt g´nug“ treffe nicht zu – eine Studie habe ergeben, dass durch die Regel 5:1 (d.h. im Verhältnis sollte es 5 positive Äußerungen zu einer negativen am Tag geben) eine Verhaltensänderung bewirkt werde. Als Lob sollten aber nicht Ergebnisse, unveränderliche Eigenschaften, Vergleiche mit anderen (Geschwistern) oder auch (aus Sicht des Kindes) Selbstverständlichkeiten dienen, sondern positives Verhalten und selbst entwickelte Strategien z.B. bei der Hausaufgabenbewältigung. „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!“, d.h. Eltern sollten sich der Einzigartigkeit und auch Eigenwilligkeit ihres Kindes bewusst sein.

Gut für Eltern zu wissen ist es vielleicht auch noch, dass nur 7% der Kinder wirklich voll begeistert Hausaufgaben machen. 50% der Kinder können sogar nicht selbstständig ihre Hausaufgaben erledigen. D.h. Eltern sind mit ihren Problemen bei der Hausaufgabenbewältigung nicht allein, und um eine (innerliche) Verzweiflung zu vermeiden, kann es helfen, sich doch zuerst auch diese Fragen zu stellen: Was kann mein Kind denn schon alles? Und was ist wirklich das, was mein Kind in meinen Augen als Nächstes können soll? Was steht auf meiner Prioritätenliste ganz oben? Es lohnt sich, lieber „kleine Brötchen zu backen“, als schon ein „ganzes Brot“ von seinem Kind einzufordern, denn dann ist die Wahrscheinlichkeit, selbst als Elternteil enttäuscht zu sein, viel geringer!

Und vielleicht stellt man sich auch noch diese Frage: Heute schon genug gelobt? Denn ein ernstgemeintes Lob hört doch jeder gern!

Text & Bilder: K. Dorsch/ekg

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