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Bücher sollten verboten werden!

Souveräner Anzug, den Gehstock in der rechten Hand und voller Visionen – so betrat 1977 der damals 13-jährige Denis Scheck den internationalen Literaturstammtisch in Stuttgart. Er leite eine eigene Agentur und übersetze für den Playboy, klärte er die Literaten auf, die ihn lächelnd abblitzen ließen. Aber er kam zurück und das mit großem Erfolg.

Wieder im seriösen Anzug war Denis Scheck, der renommierte Literaturkritiker, bekannt aus den Talkshows „Druckfrisch“ und „lesenswert“, nun zu Besuch in Eislingen am Erich Kästner Gymnasium. Die Kunstlehrerin Doris Vogel ist schon einige Jahre mit Scheck befreundet und initiierte dieses Treffen mit einem echten Profi aus dem Literaturbetrieb. Schmunzelnd berichtete Scheck den Schülern der 11. Klassen von seiner eigenen Schulzeit: „Ich bin nicht gerne zur Schule gegangen und glänzte deswegen durch meine Abwesenheit“. Stattdessen gründete er schon mit 13 Jahren seine erste Literaturzeitschrift „Newlands“ und übersetzte amerikanische Comics, verkaufte diese an deutsche Zeitungen und wurde Agent für ausländische Literaturunternehmen. In seiner Jugend waren Romane für ihn der Weg, das Gefängnis seiner Herkunft zu durchbrechen. Bis heute geht sein Interesse weit über die klassische Literatur hinaus, es reicht von Fantasy über Mangas bis zu Comics. So konnte Scheck auf alle Fragen der Schüler kundig und anschaulich Antwort geben.

Die Lust aufs Lesen vermittelte Scheck den Schülern mit ganz eigenem Temperament und in sehr direkter Sprache. Diesen starken Charakter brauche man als Kritiker, denn man mache sich nicht unbedingt beliebt, erklärte er. Viele Autoren packe die Wut, wenn ihre Bücher als schlecht oder inhaltslos und sie selbst als untalentiert bezeichnet würden. Mit vielen Autoren verbinden ihn aber auch Freundschaften, und so erzählte Scheck anschaulich und humorvoll von Begegnungen mit Autoren wie Peter Stamm oder Philip Roth. Als Literaturkritiker sieht er es nicht als seine Aufgabe, „dem Autor zu sagen, wie er es besser machen soll“. Er versteht sich als Vermittler zwischen Autor und Leser. Die Arbeit eines Kritikers sei wichtig, denn jährlich erscheinen 90 Tausend Bücher auf dem Markt, da sei es sehr schwer, den Überblick zu behalten. Der Leser brauche Kritiken, um die besten Werke zu finden. Bestsellerlisten weisen nur die meistverkauften Bücher aus. Und der „Esoterikschrott“ verkaufe sich eben am besten. „Was ist für Sie ein gutes Buch?“ wurde Scheck von den Schülern gefragt. Scheck ermunterte die Jugendlichen, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Ein wirklich gutes Buch sollte die eigene Sicht auf die Welt nachhaltig verändern, dann habe die Literatur ihr Ziel erreicht.

Doch warum soll man lesen? „Warum soll ich mich für die erfundenen Probleme erfundener Personen interessieren?“ wie Scheck Stefan Raab zitierte. Bücher seien der Schlüssel für tausend Leben mit nur einem Tod, so der erfahrene Leser Denis Scheck. So könne man in fiktionalen Personen in anderen Welten weiterzuleben. Die Schüler konnten jedoch bestätigen, dass nicht jeder in „Faust“ oder „Kabale und Liebe“ leben möchte, und auch Scheck musste zugeben, dass er Bücher lesen muss, die ihn nicht ansprechen. Doch es lasse sich so viel aus Büchern herausholen, was selbst ihn zum Staunen bringe. Dabei habe jeder die Möglichkeit, seine eigene Interpretation und somit eine eigene Lehre aus jedem Buch zu ziehen. Leider sehe nicht jeder diese einzigartige Chance. Ironisch meinte Denis Scheck, Bücher sollten „verboten“ werden, damit in der Gesellschaft wieder die Neugier für das Lesen geweckt werde.

Muss man heute noch lesen? Auch hier war Schecks Antwort eindeutig: „Nein, man muss nicht lesen, aber lesen ist ein Privileg, und wer nicht liest, verpasst das Beste im Leben!“

 

Text: Erik Wöllner / Enya Reik, EKG / Bilder: S. Renner, L. Rieger

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